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Laudatio aus Anlass der Verleihung des Verdienstkreuzes am Band
an Herrn Hanns Eckelkamp,
am 22. April 2005 im Filmmuseum,
gehalten von Staatssekretärin Barbara Kisseler

 

Fr. Staatssekretärin Kisseler
Sehr geehrter Herr Eckelkamp,
sehr geehrte Frau Janssen-Jurreit,
liebe Familie Eckelkamp,
sehr geehrter Herr Prinzler,
meine sehr geehrten Damen und Herren – heute darf man wohl sagen: Liebe Festgemeinde! –,
zum genius loci passend, ehren wir heute mit Ihnen, lieber Herr Eckelkamp, einen der wichtigsten Anstifter für die internationale Filmkunst in Deutschland.
Der Versuch, Ihr Lebenswerk in diesem Rahmen auch nur annähernd zusammenzufassen, verhält sich ungefähr so, wie das Ansinnen, einen Kurosawa-Film mit Überlänge im Rahmen eines Werbespots zu beschreiben: Es ist schlichtweg unmöglich. Und dennoch wage ich den Versuch, die großen Linien Ihres Werdeganges kurz nachzuzeichnen:
Da ist zunächst der Neunzehnjährige, dem der Vater die Chance bietet, sein erstes Kino in Münster zu eröffnen, dann der Jurastudent, der acht Jahre später bereits ein Großkino betreibt und wenig später eine Kinokette mit insgesamt 12 Häusern sein eigen nennen kann. Da ist schließlich der Jurist, der – eher dem Zufall geschuldet, als geplant – 1959 mit der Atlas Filmverleih Gesellschaft in den Verleih von Filmen einsteigt.
Gut drei Jahre vor der Verkündung des Oberhausener Manifests war das, die Kampfansage des Jungen Deutschen Films an das etablierte Kino.
Viele von Ihnen erinnern sich noch genau an die 60er Jahre:
Einerseits war das Kino noch nicht in dem Maße durch das Fernsehen angefochten wie heute – man ging noch in Scharen in die „Lichtspielhäuser“. Andererseits hatte es der anspruchsvolle, regisseurbezogene Film auch damals schon nicht leicht beim Publikum – zumindest nicht beim Deutschen – in Frankreich ist das ja bekanntlich traditionell etwas anders.
Der Name Atlas beschrieb die Anforderungen also ziemlich gut, die der Begründer eines solchen kaufmännischen Betriebes, mitbringen musste. Zwar musste er nicht gleich den gesamten Himmel auf seinen Schultern stemmen, aber immerhin Geschäftsmann, raffiniert werbender Aufklärer und Pädagoge in einem sein – und ein Quäntchen Glück brauchte er obendrein.
Spätestens 1964 hatte Hanns Eckelkamp alle vier Zutaten zusammen. Denn mit Ingmar Bergmans Film Das Schweigen kam das richtige Werk zum passenden Zeitpunkt an den geeigneten Verleiher, der seine Chance auch zu nutzen wusste.
Nicht nur, dass es gelang, den Film trotz seiner für damalige Verhältnisse großen Freizügigkeit ungekürzt in die westdeutschen Kinos zu bringen, was bereits eine große diplomatische Leistung war, hatten doch nicht nur in Köln viele Menschen gegen das „Keuchen nackter Wollust“ demonstriert. Ja, selbst der Bundestag befasste sich mit dem Werk und seiner angeblichen Verruchtheit. Die erste und bislang letzte Debatte des „Hohen Hauses“ über einen Film stand unter der denkwürdigen Überschrift – ich zitiere: „Der Schutz vor weiteren Sex-Schockern aus dem Ausland.“

Es gelang auch - wegen oder trotz des Skandals – Bergmanns Streifen beispiellos zu vermarkten: Der Film brachte 11 Millionen Besucher in einem Jahr. Er wurde zum größten Coup in der Geschichte von Atlas.

Die geschickte Mischung aus anspruchsvollen Filmen, eher leichter Kost und einer für die damalige Zeit außerordentlich aufwendigen Bewerbung – ich erinnere nur an die besonders schönen Atlas Filmhefte; diese Mischung wurde zum Markenzeichen von Atlas. Das weiße „a“ im schwarzen Kreis war wiederum so etwas wie ein Gütesiegel, das auf immer mehr Filmen des so genannten Jungen Deutschen Films prangte. Zu den Werken eines Ulrich und Peter Schamoni gesellten sich später eine Reihe von Filmen japanischer Filmemacher, wie Kurosawa oder Ozu, die uns heute wahrscheinlich viel eher ein Begriff sind, als sie es vor dreißig Jahren sein konnten.
Sie zeugen davon, dass Hanns Eckelkamp mehr war als nur ein Kaufmann. Er war, wie er selbst einmal sagte: „Ein Cineast, der versucht, mit seiner Leidenschaft auch Geld zu verdienen.“
Er war ein cineastischer Vordenker und einer der wichtigsten Wegbereiter der zeitgenössischen Filmkunst.
Und vielleicht war er damals seiner Zeit sogar ein Stück zu weit voraus ...
Meine Damen und Herren, „früher war sogar die Zukunft besser“, heißt es bei Karl Valentin und wir wissen alle, was damit häufig gemeint ist – die Verklärung der Vergangenheit aus der Sicht der Gegenwart. Die wirtschaftlichen Bedingungen für den Handel und Verleih von Filmen, die eine Elite von Kinobegeisterten anspricht, waren aber auch in der Gegenwart der 60er und 70er Jahre nicht gerade rosig, wie viele hier im Raum aus eigener Erfahrung bestätigen können. Wahrscheinlich waren sie auch nicht einfacher, als sie es heute sind. Umso mehr ist die Geschäftsentwicklung nach der Insolvenz von Atlas 1967 zu würdigen.
Durch großen privaten finanziellen Einsatz, strategisch kluge Entscheidungen, die eigene Begeisterung sowie die Fähigkeit, bei anderen Begeisterung zu erwecken, vielleicht auch eine weise Einsicht in die Möglichkeiten, gelang die Sanierung der Firmen Eckelkamps in den 80er Jahren. Sie mutet in der Retrospektive wie eine lange, spannende Geschichte mit happy end an erlaubt auch, den Bogen zu der zweiten Lebenslinie zu schlagen – der des Produzenten Hanns Eckelkamp.
Ihre Tätigkeit als Produzent, lieber Herr Eckelkamp, besticht vor allem durch den außerordentlichen Facettenreichtum Ihrer Arbeit. So finden sich neben Sozialdramen und Tragikkomödien auch zahlreiche anspruchsvolle und unterhaltsame Kinder- und Jugendfilme wie z.B. Der Sommer des Falken von Arend Agthe. Ihr Interesse für die Jugend stellten Sie auch unter Beweis, als Sie den niederländischen Regisseur Kees Brusse, der in seinem Heimatland mit Menschen von Morgen ein Portrait der heranwachsenden Generation gedreht hatte, überzeugen konnten, selbiges über die Jugend in Deutschland zu zeichnen.
Gerade letzteres beweist, dass Ihr geübter filmisch-künstlerischer Blick nicht an den Landesgrenzen hielt, sondern weit darüber hinaus ging und sicher auch aus persönlichen Gründen die deutsch-holländische Grenze besonders häufig überschritt.

Natürlich darf der Name Fassbinder nicht fehlen, wenn man über ihre Arbeit als Produzent und Co-Produzent spricht. Unvergessen sind Filme wie Satansbraten, Die Ehe der Maria Braun oder Lola.

Meine Damen und Herren, die bereits sechzig Jahre währende Liebesbeziehung zwischen Herrn Eckelkamp und dem Film ist so spannend, wie sie wechselhaft ist. Wir ehren mit Ihnen, Herr Eckelkamp, eine Person, die wie nur wenige mit ihrer Vita auch für die Kinogeschichte der Bundesrepublik Deutschland steht. Wir ehren einen bedeutenden europäischen Filmemacher und Vorkämpfer für die Weiterentwicklung der Filmkunst, der mit seinem Engagement uns allen das Künstlerische im Film ein großes Stück näher gebracht hat. Und wie ich höre, hatten Sie bei Ihren Kindern besonders großen Erfolg: Jedes hat ja unmittelbar oder mittelbar (durch den Lebenspartner) mit dem Film zu tun.

Das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland soll unseren Dank und unsere Anerkennung ausdrücken für Ihr bisheriges Lebenswerk und die großartigen Bilder, die Sie uns allen zugänglich gemacht haben.

Es ist mir daher eine große Ehre, Ihnen nun im Namen des Bundespräsidenten das Bundesverdienstkreuz überreichen zu dürfen.
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Laudatio von Staatssekretärin Barbara Kisseler
 
Laudatio von
Professor Klaus Keil
Laudatio von
Angela Haardt
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